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Der Fall Hoeneß und die fehlende Moral

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Ein gerechteres Steuersystem mit mehr Transparenz, fairen Grenzen und ohne Schlupflöcher in Deutschland wäre wünschenswert.

Doch am Grundproblem würde das nicht viel ändern: Steuerhinterziehung ist illegal, unmoralisch, egoistisch und kein Kavaliersdelikt – auch in Deutschland nicht. Jeder, der Steuern hinterzieht, handelt gegen das Gesetz und hat sich dementsprechend zu verantworten.

Der Fall von Uli Hoeneß wiegt besonders schwer. Der Präsident des FC Bayern München hat sich in den vergangenen Jahren stets als Moralapostel hervorgetan sowie Mitmenschen für ihr Fehlverhalten an den Pranger gestellt und verurteilt.

Hoeneß – wer im Glashaus sitzt…

Hoeneß war ein gerngesehener Gast in politischen Talkshows, hatte stets eine Meinung. Er stand für Mut und Geschäftssinn, aber auch für Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit – kein Wunder also, dass sich die gesamte Medienlandschaft auf die Neuigkeit von Hoeneß´ Steuerhinterziehung gestürzt hat.

Natürlich darf auch eine öffentliche Person wie Uli Hoeneß nicht vorverurteilt werden, aber eine Selbstanzeige hat wohl auch ihren Grund.

Steuerbetrug-Selbstanzeigen und Steuersünder-CDs

Der Ankauf von Steuersünder-CDs, prominente Fälle wie Uli Hoeneß, EU-Gipfel zu Steuerhinterziehung oder Verhandlungen zu internationalen Steuerabkommen – das und mehr führt momentan dazu, dass sich viele Steuersünder „nicht mehr sicher“ fühlen.

Die Zahl der Selbstanzeigen ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Laut „manager magazin online“ sind im ersten Halbjahr 2013 6.358 Selbstanzeigen bei den Ländern eingegangen – fast so viele wie im Gesamtjahr 2012.

An der Spitze liegen die Bundesländer Baden-Württemberg (1.580 Selbstanzeigen bis 15. Mai), Nordrhein-Westfalen (1.076 bis 06. Juni) und Bayern (981 bis 31. Mai). Kaum Selbstanzeigen gab es erneut in den Bundesländern Sachsen-Anhalt (3), Mecklenburg-Vorpommern (10) und Thüringen (16).

Neben der politischen Debatte über Steuerhinterziehung – zum Beispiel durch die Causa Hoeneß – dürfte auch der Ankauf der Steuersünder-CDs eine große Rolle spielen. Eine kleine Chronik der Steuersünder-CDs in Deutschland:

  • Januar 2006: Die Daten von 800 Personen werden verkauft, größtenteils an das Land NRW
  • Februar 2010: NRW kauft eine CD von Kunden der Credit Suisse für 2,5 Millionen Euro
  • Juni 2010: Niedersachsen kauft etwa 35.000 Datensätze von Kunden verschiedener Banken
  • Oktober 2011: Steuerfahnder kaufen Daten von rund 3.000 Bankkunden aus Luxemburg
  • 2012: NRW kauft mehrere CDs, unter anderem von Kunden der Schweizer UBS
  • April 2013: Rheinland-Pfalz kauft CD mit etwa 40.000 Datensätzen für rund 4 Millionen Euro

Der Fall Uli Hoeneß lässt viele in Deutschland verwundert zurück. Warum hinterzieht ein so erfolgreicher und wohlhabender Geschäftsmann Steuern? Und das in dieser Höhe? Es ist ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft vor ernsten Problemen steht.

Das Prinzip „jeder ist sich selbst der Nächste“ – und nichts anderes ist auch die Steuerhinterziehung – kann auf Dauer nicht gut sein für eine Gesellschaft, ein Land, ein Kontinent  oder die Welt. Die moralische Verantwortung für andere oder auch gegenüber sich selbst kommt zu kurz.

Nicht nur die Reichen sind schuld

Nun ist es natürlich einfach, als „kleiner Mann“ mit dem Finger auf die Hoeneß dieser Welt zu zeigen und mit dem Kopf zu schütteln.

Steuersünder sind zwar zumeist reiche oder zumindest wohlhabende Mitbürger – das ist Fakt. Doch der fehlende Gemeinschaftssinn zieht sich quer durch alle Gesellschaftsschichten.

Insofern erscheint es ratsam, dass jeder Bürger zuerst vor seiner eigenen Haustür kehrt, bevor er andere verurteilt. Beim Thema Steuerhinterziehung muss sich jeder ebenfalls seiner eigenen moralischen Prüfung unterziehen.

Und genau da kommt wieder Uli Hoeneß ins Spiel. Er hat diese moralische (und im Fall der Steuerhinterziehung auch gesetzliche) Prüfung nicht bestanden.

Hoeneß und die Konsequenzen

Jeder Mensch hat eine zweite – manchmal vielleicht sogar eine dritte oder vierte – Chance verdient. Uli Hoeneß hat womöglich aus seinem Fehlverhalten gelernt und bereut es heute vermutlich zutiefst. Man sollte ihm also mit Respekt begegnen und ihm diese Chance einräumen.

Als Präsident des FC Bayern München oder als moralische Instanz in einer Polit-Talkshow hat Uli Hoeneß aber keinen Platz mehr. Er hat sich diesbezüglich selbst ins Abseits gestellt.

Denn Steuerhinterziehung ist sowohl ein Verbrechen als auch moralisch verwerflich und die Welt tut gut daran, die aktuelle „Jagd auf Steuerhinterzieher“ fortzusetzen.

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