Das politische Themenblog mit Meinung und Information für jedermann.

Medien: Katastrophen-Liveticker im Kommen

0

Ein neues „Jahrhundert-Hochwasser“ hat Deutschland im Griff. Für die Medien – so übel es klingen mag – ein gefundenes Fressen. Die Brennpunkte und Live-Ticker zu Katastrophen werden immer häufiger.

In den vergangenen Tagen sind die Wassermassen unaufhaltsam weitergezogen. Von Bundesland zu Bundesland, von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus. Und immer mittendrin: Ganz Deutschland.

Einen „Live-Ticker zum Hochwasser“ konnte (oder kann man noch immer) man bei etlichen etablierten Online-Medien abrufen. Das befriedigt die Sensationslüste der Leser und steigert die Klickzahlen. Eine gefährliche Entwicklung.

Auch bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten kommt das Hochwasser nicht zu kurz. Die ARD sendet praktisch jeden Abend nach der Tagesschau einen neuen „Brennpunkt“ zur Katastrophe. Zwar sollte man hier nicht unterstellen, dass es ausschließlich um Einschaltquoten geht, doch die Dauer-Berichterstattung fördert den Voyeurismus der Zuschauer – ob man will oder nicht.

Berichterstattung nicht grundsätzlich schlecht

An sich ist die Berichterstattung zur Hochwasserkatastrophe natürlich zu befürworten. Denn erst durch die Medien wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar, das Leid der Menschen vor Ort ansatzweise erkennbar und – ganz wichtig – die Bereitschaft zu Helfen steigt.

Doch manchmal wäre vielleicht etwas mehr Demut und Besonnenheit angebracht. Es stellt sich die Frage, ob es tatsächlich zum Wohl der ortsansässigen Menschen ist, wenn man sie vor eine Kamera zerrt und ihr verzweifeltes Gesicht oder im besten Fall noch ein paar Tränen zeigt.

Medien-Vertreter würden jetzt vielleicht entgegnen, dass es genau das ist, was die Menschen am Bildschirm sehen „wollen“. In der heutigen Medienlandschaft ist die Zeit knapp bemessen, Zuschauer und Leser wollen Sensationen und Katastrophen.

Aber unsere Medien, egal ob Internet, Zeitung oder Fernsehen, sollten gerade bei Tragödien und Katastrophen vor allem informieren und unterstützen. Die Unterhaltung der Zuschauer darf dabei nicht im Vordergrund stehen – auch wenn das wohl eine romantische Idealvorstellung ist.

Bitte keine amerikanischen Verhältnisse

Um zu sehen, wie sich unsere Medienlandschaft bitte nicht entwickeln soll, reicht ein Blick über den Atlantik in die USA. Hier ist anscheinend jeder Lokalsender mit einem eigenen Helikopter ausgestattet, um auch ja die nächtliche Verfolgungsjagd der Polizei mit einem Verbrecher übertragen zu können – selbstverständlich alles live.

Dramatik und Action sind zwei wichtige Eckpfeiler bei vielen US-Medien. Dabei kommt eine seriöse Berichterstattung oft zu kurz.

Zugegeben, in Deutschland ist das noch nicht der Fall. Hier versuchen viele wenigstens, seriöse und besonnene Berichte zu schreiben / zu senden – Ausnahmen wie die 4-Buchstaben-Zeitung gibt es schon länger. Es ist keineswegs verwerflich, einen ARD-Brennpunkt zum Hochwasser zu schauen oder einen Live-Ticker zu lesen. Dabei sollte jedoch nie das Wesentliche aus den Augen verloren werden.

Kommentar abgeben