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Warum die Rundfunkgebühr gebraucht wird – und was davon nicht bezahlt werden sollte

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Abgelegt unter Blickfeld Medien von David Gerginov

Auch wenn Journalisten es nicht immer zugeben wollen: Die besten Themen findet man noch immer an einem Stammtisch.

Wie man dann damit umgeht ist natürlich die Frage des Mediums – eine gewisse Zeitung mit rotem Logo wird damit anders umgehen als ein liberales Blatt aus dem Norden. Gemeinsam haben sie alle aber die Grundlage des Titels: Ein gutes (oder schlechtes) Gespräch.

In diesem Fall war es die GEZ, oder wie sie neuerdings heißt, der ARD ZDF Deutschlandfunk Beitragsservice. Allein mit diesem Titel haben die zuständigen Gremien schon gezeigt, das sie die Menschen in Deutschland nicht verstehen.

“AZDBS” wird kein Mensch sagen wollen – also bleibt es im Volksmund bei der GEZ. Und die Gebühreneinzugszentrale hat alles andere als einen guten Ruf (gehabt). Das zweite Problem der neuen Institution ist das Wort “Service”.

Deutsche lehnen Rundfunkgebühren ab

Die meisten Bürger dieses Landes sehen in einer Zwangsgabe keine Service und lehnen sie ab. Die Mehrwertsteuer heißt immerhin auch nicht “Mehrwert-Service zur Finanzierung von Bund und Ländern”. Und das Gesetz zum Einstieg in die ökologische Steuerreform läuft auch unter “Ökosteuer” und nicht unter “ökologischem Servicebeitrag für den Erhalt der Umwelt von Bund und Ländern”.

Natürlich lässt sich sagen: “Die hatten gar keine Chance zu gewinnen – egal wie sie das Kind nennen.” – Völlig richtig. Sicherlich hätte man bessere Wege finden können. Etwa das Abführen der Gebühr direkt mit der Steuer.

Natürlich: Unabhängige Medien sollen unabhängig sein und ein Einzug mit der Steuer lässt die öffentlich-rechtlichen Sender weniger unabhängig erscheinen. Die jetzige Praxis auf der andere Seite lässt sie als Pay-TV wirken, die viele Menschen gar nicht wollen.

Und das schadet letztlich dem Medium selbst. Denn – ich gebe es freimütig zu – auch wenn ich sofort jedes Schlupfloch zum nicht zahlen der Zwangsabgabe nutzen würde, würde ich gleichzeitig doch ARD, ZDF, Phoenix und den Deutschlandfunk nicht missen wollen.  Und natürlich muss das finanziert werden.

Die Rundfunkgebühr bezahlt Dinge, die nicht ihrem eigentlichen Auftrag dienen

Doch – und damit sind wir wieder beim Stammtisch: Was genau eigentlich? Staatliche Medien insgesamt, die im Zweifel von einer Regierung gekapert werden können? Oder Talkmaster an fünf Abenden die Woche mit teuren Verträgen?

Oder Frühstücksfernsehen und belanglose Gesangs-Possen? Ein Wasserkopf an Verwaltung statt gutausgebildete Journalisten? Den KIKA? Ein Parlamentssender wie Phoenix? Was genau soll finanziert werden?

Je mehr man darüber nachdenkt, desto schwerer wird die Entscheidung – zumindest wenn direkt einige Sachen von der Liste streicht über die eigentlich nicht gestritten werden müsste:

Wie der Wasserkopf an Verwaltung: Soll einem doch bitte jemand erklären, wofür man diese in den ARD-Sendeanstalten doppelt und dreifach braucht. Und im ZDF. Und bei Phoenix. Und vermutlich auch irgendwo beim KIKA.

Ziel eines jeden Unternehmens (egal welche Branche und wer der Betreiber) sollte immer noch eine schlanke Struktur sein. Und natürlich braucht man gerade bei Medien Kontrollgremien usw. Aber niemand kann mir erzählen, hier ließe sich nicht effizienter einsparen. Und ja natürlich bin ich mir bewusst: Auch das bedeutet im Zweifel Stellenabbau.

Öffentlich-Rechtliche bauen da ab, wo es wehtut: Bei den Medien-Machern

Aber was gefühlt in der Verwaltung nicht passiert, wird bei den Journalisten im schnellverfahren betrieben:

Alte Verträge laufen aus, neue gibt es meist nur als Zeitvertrag oder Garantien auf “feste freie” Stellen. Gerne wird auch einfach an externe Sendefirmen ausgelagert – bloß kein eigenes Personal aufbauen.

Das kann aber nur der falsche Weg sein: Die Finanzierung der unabhängigen Medien, die quasi Staat-gewollt sind kann nur funktionieren, wenn auch in die Medienmacher investiert wird. Nicht in dem Außenbau.

Sondern in die Menschen, die da raus sollen: Nachrichten finden, Nachrichten machen. Informieren, berichten und (im Zweifel auch) aufklären. Dazu braucht es nicht unbedingt das Frühstücksfernsehen.

Dazu braucht es bestimmt keine dicke, dicke Verwaltung. Was es braucht sind interessierte Medien-Menschen (ich verzichte bewusst auf den Begriff Journalist), die ihren Job gut machen wollen – und das bei einer renommierten wirtschaftlich unabhängigen Stelle.

Und dafür sollte es am Ende Wert sein, in einen Beitragsservice zu investieren. Für die Möglichkeit Menschen zu fördern und zu fordern unabhängige Medien zu machen. Frei von den wirtschaftlichen Zwängen der Privatwirtschaft – und frei von Quoten-Zwängen.

Es müssen nicht nur Nachrichten sein, aber definitiv kein Frühstücksfernsehen

Es muss kein reines Bildungsbürgertum-Programm sein, das auf den Kanälen gesendet wird. Aber es darf auch kein Programm sein, das genauso in werbefinanzierten Sendern laufen könnte.

Ich möchte für etwas zahlen, was Neues und unbekanntes fördert. Das muss nicht nur die Nachricht eines Journalisten sein. Das kann auch ein neuer Regisseur sein. Eine Idee, ein Konzept. Ein Test.

Auch dafür sollte sich öffentlich-rechtliches Fernsehen nicht zu schade sein. Und dann erfüllt es am ehesten seinen Auftrag pluralistisch und journalistisch die Medienlandschaft zu unterstützen – und nur dann.

Welche Possen die “neue” Einzugszentrale des Rundfunks betreibt und mit alten Schemata doppelt zu kassieren versucht beschreibt meine Kollegin Anna Börding in einem Erlebnisbericht. 

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