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Ethische Unternehmensführung: Kombination von Image-Gewinn und finanziellem Gewinn als Ziel

Umweltbewusstes, nachhaltiges und „ethisch korrektes“ Handeln liegt im Trend. Immer mehr Konsumenten legen Wert auf diese Dinge – sogar an der Börse erleben ethische Investments einen Boom.

Für viele Konzerne stellt eine ethische Unternehmensführung einen enormen Image-Gewinn dar. Doch meint es die jeweilige Unternehmensspitze ernst mit ihrer Ethik-Politik, sind häufig gravierende Umstellungen vonnöten und hohe Kosten können entstehen.

Eine ethische Unternehmensführung muss sich langfristig natürlich auch für den Konzern lohnen, das ist ein ungeschriebenes Gesetz im Kapitalismus.

Viele Unternehmen wollen den Trend nutzen und setzen auf Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit und Umweltbewusstsein – dabei steht es aber jedem frei, eine eigene Definition von ethischer Unternehmensführung und seiner Ausprägungen zu entwickeln.

Was versteht man unter ethischer Unternehmensführung?

Ein Problem des Begriffs der ethischen Unternehmensführung ist seine Dehnbarkeit. Letztlich kann jedes Unternehmen – beispielsweise auf seiner Homepage – behaupten, dass es eine ethische Unternehmensführung betreibt. Daher sollte man stets auch die Fakten hinter wohlklingenden Worten prüfen können.

Trendwort Nachhaltigkeit – Ursprung und Meilensteine

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Erstmals „nachhaltig“ formuliert wurde dieser im Jahre 1713 in Sachsen von Hans Carl von Carlowitz, der sich dafür aussprach, nur so viel Holz zu schlagen wie auch wieder nachwachsen kann. Darin sah er eine nachhaltige Nutzung.

Spätestens seit 1987 ist der Begriff auch (!) umweltpolitisch geprägt. Die „Weltkommission für Umwelt und Entwicklung“ der Vereinten Nationen definierte die Nachhaltigkeit in ihrem „Brundtland-Bericht“ mit dem Titel „Unsere gemeinsame Zukunft“.

Diesem folgte unter anderem das in Deutschland entwickelte „Drei-Säulen-Modell“. Vereinfacht ausgedrückt besteht es aus:

  1. Ökologische Nachhaltigkeit: Kein Raubbau an der Natur betreiben, natürliche Ressourcen nur insoweit beanspruchen wie diese sich wieder regenerieren können
  2. Ökonomische Nachhaltigkeit: Nicht über die Verhältnisse leben und so keine nachfolgenden Generationen  belasten
  3. Soziale Nachhaltigkeit: Soziale Spannungen in Grenzen halten und Konflikte auf friedlichem Wege lösen

Einige Forscher sind der Ansicht, dass sich diese Aspekte gegenseitig bedingen.

Links:

Zeit online: Hans Carl von Carlowitz – der Erfinder der Nachhaltigkeit

Goethe-Institut: Nachhaltigkeit – vom Leitbild zur Umsetzung

Bekommen die Arbeiter tatsächlich einen angemessenen Mindestlohn und ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben? Werden Ressourcen wirklich schonend und nachhaltig eingesetzt? Ist das Unternehmen bereit, höhere Kosten auf sich zu nehmen, um Umweltstandards zu entwickeln und einzuhalten?

Die Spanne der „ethischen Maßnahmen“ ist so breit, dass man als Unternehmer tatsächlich eine eigene Philosophie zu dem Thema entwickeln muss.

Hier sollte auch der Konsument oder Anleger Prioritäten setzen und Kompromisse eingehen können. Die wenigsten Unternehmen können oder wollen sämtlich Aspekte beachten. Eine besonders umweltverträgliche Produktion ist zum Beispiel allein aus Kostengründen nicht immer direkt mit hohen Sozialstandards für die Arbeiter vereinbar.

Für viele Unternehmen dürfte sich eine ethische Unternehmensführung langfristig lohnen. Die Gründe dafür:

  • Imagegewinn beim Konsumenten: Der Konsument greift verstärkt zu Produkten, die von „ethisch geführten“ Unternehmen hergestellt werden. Viele achten inzwischen auf Siegel wie „Fairtrade“, „Bio“ oder „FSC“. Bislang ist der Trend unter anderem bei Nahrungsmitteln, Holzprodukten und inzwischen auch bei Kleidung zu erkennen – andere Branchen werden aller Voraussicht nach folgen.
  • Imagegewinn bei potenziellen Arbeitnehmern: Inzwischen achten Arbeitnehmer auf mehr Dinge als nur auf das Gehalt. Unter anderem ein angenehmes Arbeitsklima sowie eine faire Behandlung der Mitarbeiter oder Weiterbildungsmöglichkeiten sind für viele wichtig geworden. Nur mit einem entsprechenden Image kann ein Unternehmen heutzutage um die hellen Köpfe des Landes werben.

Keine allgemeingültige Aussage möglich

Es lässt sich bisher jedoch nicht pauschal feststellen, dass eine ethische Unternehmensführung auch für den Konzern lukrativ ist. Entscheidend sind dabei nicht nur die eingeleiteten Maßnahmen und das Kostenmanagement, sondern auch die Größe, Stellung und Branche des Unternehmens.

Wichtig erscheint indes jedoch eines: Die Unternehmensspitze sollte es ehrlich meinen mit ihrer Politik. Langfristig dürfte jede ethische Mogelpackung auffallen und früher oder später müssen hohlen Phrasen auch Taten folgen.

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