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Telekom: Wir drosseln dann mal

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Ich war in diesen Tagen auf der re:publica 2013 während das Thema “Drosselcom” durch die Republik schwappte. Was war passiert? Die Telekom stellte eine neue Tarifstruktur vor.

Das interessante darin: Sie kündigte (vordergründig) die Flatrate auf und führt Tarife wie bei Handyverträgen ein. Also Koppelungen an den Verbrauch. Wer viel im Internet macht, soll auch viel zahlen.

Drosselcom schon hautnah erlebt

Wer nicht so viel macht, soll auch nicht so viel zahlen. Während ich noch nach einer Position zum Thema suchte, erlebte ich gleichzeitig das Thema Drosselung in meinem Berliner Hotel hautnah.

Allerdings hieß der Anbieter nicht Telekom, sondern Swisscom. Dort hat man nämlich schon die Drosselun eingeführt. Während der Hotelgast noch mit der Info “bei uns WLAN gratis” geworben wird, hat er am Ende einen Zugang der schon bei 10KB-Mails in die Knie geht.

Warum konnte mir niemand sagen. Der Gratis-Zugang sei nun mal etwas langsamer und ich sei nicht der erste der sich beschwert.

Es gibt ja auch Premium für 9,99 Euro für 24 Stunden. Macht bei 3 Tagen knapp 30 Euro. Nun ist es nicht so, dass ich das selber zahle. Aber schon aus Prinzip zeigt man da doch den Vogel. Meine Position gegenüber der Telekom festigte sich durch dieses Erlebnis.

Die interessante Frage die ich mir nämlich Stelle ist: Wie will die Telekom gewährleisten, dass sie wirklich immer richtig drosselt?

Kann die Telekom wirklich die unterschiedlichen Pakete garantieren?

Schon jetzt gibt es in zahlreichen Medien immer wieder berichte darüber, dass die verkaufte Bandbreite der Telefon- und Internetanbieter oftmals von der eigentlichen Leistung abweicht.

Und auch im Mobilfunknetz stellt man immer wieder fest: Schwankungen sind immer da. Sicher liegt das am Sendemast – aber konstant gutes Netz sieht anders aus. Die Telekom hat somit erst mal mehr Aufwand, wenn es um die Messung und Einhaltung der Grenzen geht.

Und im Zweifel mehr Beschwerden – na, ob sich das lohnt? Vermutlich schon. Denn die Tarifstruktur steigt ja schön.

Und auch wenn man betont, das käme ja alles erst 2016 und nur für Vielnutzer, so ist zu sagen: Das kann nur ein Scheinargument sein.

Für Gretchen Müller klingt das erstmal ungefährlich. 2016 ist weit und sie ruft sowieso nur Mails ab. Ab und an vielleicht mal einen dieser YouTube-File, die der Enkel rüber schickt.

These: Gretchen Müller wird 2016 selber zu den Mehrzahlern gehören

Allerdings wird vermutlich ihr Enkel die nächsten Jahre noch mehr Videos schicken. Gut möglich, dass Gretchen Müller auch mehr Dienste im Internet nutzt, die heute noch keiner richtig auf dem Schirm hat.

An Facebook hat 2003 auch niemand gedacht. Jetzt hat es jeder auf dem Handy. Das “saugt” Kilobytes.

Man darf also unterstellen: Die Telekom hat mal durchgerechnet, wie das demographisch so weitergeht und erkannt, dass sie – unabhängig vom Stand ihrer Leitung – vermutlich fast jeden über 10 Jahre gesehen in höhere Tarife buchen kann.

Telekom hofft auf Mehrerlöse aus Premium Partnern

Mal ganz abgesehen von dem Vorteil, “Premium Partner” zu gewinnen, die für bessere Leitungsqualität zahlen.

Und jetzt, nachdem der erste Aufschrei raus ist, schiebt man doch hinterher, das es wieder Flatrates geben werde. Nur eben deutlich teurer, als bisher. Also ja: Die Telekom bastelt sich einfach Mehreinnahmen durch verwuschelte neue Tarife.

Und da lohnt es sich, dagegen aufzubegehren.

Es geht nicht nur um Netzneutralität oder Drosselung für Zocker – Kunden wird etwas vorgemacht

Nicht nur wegen der “Netzneutralität” und der Gefahr, dass ein paar Zocker (gerne gewählte Sichtweise aus Konzernnahen-Kreisen für Gretchen Müller) zu viel zahlen und die Leitung versauen.

Sondern weil es schlicht und einfach eine so freche, versteckte Kostensteigerung ist, das man dagegen einfach aufbegehren muss. Auch als Telekom-Kunde, der sich nicht betroffen fühlt. Mich wunder sowieso, das es da wenig ärgert gibt.

Einer nicht repräsentativen Umfrage unter zwei Haushalten, die beide Telekom mit Entertain nutzen entnehmen ich: Immer wieder Probleme mit dem Netz, Entertain-Qualität usw. Dafür zahlt man jetzt schon 50 Euro.

Und in Zukunft? Achso: Dann wird alles besser, weil der Zocker die Leitung weniger beansprucht, oder eben mehr zahlt. Also bitte – diese Logik ist doch etwas zu einfach gestrickt. Für so dumm sollte kein Konzern seine Kunden nehmen.

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